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Wandertag im Masca-Tal.

Was empfiehlt sich, wenn eine über Jahrhunderte weltvergessene Bergregion vom Flüstertipp unter Wanderfreunden zum neuen Symbol für Marketingstrategen wird, die Sonne, Sand und Meer als abgenutztes Thema beiseite legen? Hinreisen und einfach genießen! So, wie es heute ist.

Nicht, dass das kleine Bergdörfchen Masca, gut 50 Kilometer entfernt von den Hochburgen des Tourismus im Süden Teneriffas, noch immer über Maultierpfade zu erreichen sei.

Nein, längst winden sich asphaltierte Straßen in unzähligen Serpentinen durch die Schluchten des Teno-Gebirges im grünen Nordwesten der Insel. Vornehmlich an Wochenenden sorgen dieselige Karawanen aus Mietjeeps und Reisebussen für permanente Staugefahr entlang der terrassierten Hänge, die an Bilder aus Sri Lanka oder Burma erinnern.

Sie alle, die sich da auf den kurvenreichen Weg machen, haben ein Ziel: Einen freien Parkplatz finden am Eingang zu einem einzigartigen Naturereignis, das sich in seiner wilden Romantik allerdings nur mit festem Schuhwerk und einer passablen Kondition erleben lässt.

Denn wer hinab steigt in die zerklüftete Schlucht von Masca (Barranco de Masca) mit ihren bis zu 600 Meter tiefen und überwiegend steilen Pfaden, lässt sich auf ein kleines Abenteuer ein. Und nicht wenige, die den mindestens dreistündigen Abstieg bis zur Steilkünste von Los Gigantes angehen, betrachten den behördlichen Hinweis, es handele sich um einen Wanderweg mittlerer Schwierigkeit später eher als motivierende Untertreibung.

Michael Patzelt (48), ehemals Unternehmensberater in Deutschland und heute Patron einer stilvoll umgebauten Finca im ersten Stock in den Bergen über Icod des los Vinos, bietet seinen wanderlustigen Gästen deshalb stets die fachkundige Hand an. Raus aus dem Auto, rein in die Schlucht. Das ist für den langjährigen Inselkenner nicht nur ungesund angesichts des rasanten Höhenunterschieds, sondern auch eine Respektlosigkeit gegenüber der fabelhaften kleinen Gastronomie im Schatten der ersten Masca-Palmen. Seine Tankstelle vor jedem Tourstart ist das El Guanche, dessen leicht zu übersehendes Reklameschildchen den deutschen Untertitel Alte Schule trägt.

Durch drei kleine Gebäude hindurch, die sich unter riesigen Kakteen ducken, führen schmale Treppchen auf eine Terasse, die den Panoramablick freigibt auf ein gigantisch zerklüftetes Tal. Wohl dem, der sich mit einer hausgemachten Tomatensuppe und den sensationellen Torta Guancha (Reibeplätzchen aus Mais) stärken kann, bevor es versehen mit ausreichend Trinkwasser und Proviant so richtig losgeht. Und es geht in der Tat gleich richtig los. Die Masca-Schlucht bietet ihren Eroberern keinen rücksichtsvollen Anlauf zum lockeren Eingewöhnen.

Kein leichtfüßiger Sonntagsspaziergang am Dortmund-Ems- Kanal. Steil runter gehts! Auf unbefestigten, engen Trampelwegen. Wenn einem jemals schon nach wenigen Metern die Sinnhaftigkeit der deutschen Wanderformel Über Stock und Stein wie ein Ohrwurm durch den Kopf schwirrt, dann jetzt. Der eher Ungeübte (der Autor schließt sich da ein) sollte sich aber mit ein paar Zeilen trösten, die sich in jedem Ratgeber Fitness finden: Das Laufen in der freien Natur macht nicht nur Spaß, sondern ist überaus gesund. So werden beim Wandern Gelenke und Bänder ebenso wie Herz und Kreislauf trainiert. Kein Widerspruch.

Und wer wollte auch schon Klage führen, angesichts der opulenten Entschädigung? Sind die ersten felsigen Barrieren überwunden, die ersten Holzbrücken überquert, stehen Wandersfrau und Wandersmann in immer neuen Vegetationen. Weihnachtssterne, Geranien, bunte Gewächse, die nicht nur Botaniker ins Schwärmen geraten lassen. Eidechsen liegen in der Sonne, ihr Rascheln im Gehölz ist ein ständiger Begleiter. Kakteen, Schilfrohr, Palmen. Ein Schluck kaltes Wasser, ein paar Salamischeiben der unvergleichlichen Fuet Espetec, einmal durchpusten und weiter marschieren. Ist die Westküste erreicht, der Blick frei auf das Meer, auf die Nachbarinsel La Gomera, dann stellt sich das selige Glücksgefühl ein, etwas Einmaliges gesehen, es tatsächlich geschafft zu haben. Professionelle Wanderer, denen wir lautlos Beifall bei ihren imposanten Überholvorgängen in der Schlucht gezollt haben, drehen im Übrigen an der Playa de Masca wieder um und gehen tatsächlich den ganzen Weg wieder zurück. Sieben Stunden hat ihr Wandertag. Chapeau!

Michael Patzelt, gottlob eher ein Verfechter der humanen Kraxelei in der Gruppe, ordert für seine Gäste stets ein Boot, dass die unbezwingbaren Klippen bis zum nahe gelegenen Badeort Los Gigantes umschifft. Im Kleinbus geht es dann zurück zu seiner Finca Appartina del Mar. Dort warten auf gleichzeitig maximal zwölf Gäste nicht nur alternativ ein kühler Pool und warme Wassermassage, Sauna und professionelle Kosmetik- und Wellness- Behandlung, sondern auf Wunsch auch eine ganz feine kanarische Küche (Meeresfrüchte- Paella!) und ein bestens sortierter Weinkeller. Michael Patzelts ganz große Passion: Gastgeber.

Der Norden und Nordwesten ist die paradiesische Kehrseite einer Insel, die Bettenburgen, Billigtourismus und überfüllte Strände an ihren landschaftlich unattraktivsten Flecken im Südwesten beherbergt. 180 000 von 130 000 Gästebetten sind in dieser kargen Landschaft aufgestellt, weil dort ganzjährig die Sommersonne scheint. Das ganz andere Teneriffa, das grüne, das bunte, das ruhigere Teneriffa, verdankt seine Schönheit den Passatwolken, die ihre Feuchtigkeit vor der unüberwindlichen Wetterscheide Pico del Teide (3 718 Meter) niedergehen lassen. Die weit verbreitete Annahme, dass sich dort die Sonne eher selten sehen lässt, ist ein Irrtum. Aber muss man es jedem erzählen?

Klima: Das Wetter auf Teneriffa ist sehr abhängig vom Standort. Das wärmste Klima findet man im Süden und Westen der Insel. In der Nähe des Berges El Teide muss man mit kalten Winden und manchmal sogar Schnee rechnen. Generell gibt es in Teneriffa die niedrigsten Temperaturunterschiede zwischen Sommer und Winter auf der ganzen Welt.

Die Jahresdurchschnittstemperatur liegt bei 15 Grad im Winter und 24 Grad im Sommer. Wandern: Neben der Wanderroute durch die Schlucht von Masca (mindestens drei Stunden) gibt es anspruchsvolle Strecken von Los Silos nach Eros, von Buena Vista über El Palm Mar nach Masca oder von Arona über Infonche nach Adeje. 35 Touren sind markiert.

Unterkunft: Stilvoll zu Gästehäusern umgebauten Fincas (alte Bauernhöfe) in den Bergen des Norden und Nordwestens gelten als wahre Oasen für Erholungssuchende. Die deutsch geführte Finca Appartina del Mar oberhalb von Icod des Los Vinos bietet Komfort- Appartements mit Terrassen, Blick aufs Meer, die Berge und umliegende Wälder. Dazu ein Wellness-Programm und auf Wunsch kanarische Küche in einer gemütlichen Bodega innerhalb der Finca. Der Flughafentransfer ist im Pauschalpreis inbegriffen.

Infos unter Telefon 0034-922828785; E-Mail info@appartina-del-mar.de; Internet www.appartina-del-mar.de. Das Masca-Tal im Nordwesten Teneriffas bietet spektakuläre Ausblicke. Abseits des Massentourismus zeigt sich der ursprüngliche Charme der Insel. Fotos: Overwien Belohnt werden die Anstrengungen mit einem Glas Wein. Den Wanderern wird in den Schluchten einiges abverlangt.

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